Petromodernity East

Torben Philipp
Humboldt-Universität
zu Berlin

Datum
25. Juni 2018
11:30 Uhr

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V. Kalenskij, I Kalenskaja: Neft‘ – Ėto sila turbin i pečej. Neft‘ – milliony poleznyx večšej. (1959)
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Energieregime partizipieren als „tiefe Strukturen“, als „energy unconscious“ (Patricia Yaeger) an der Modellierung von Lebensstilen, Raumordnungen oder Identitätsentwürfen und hinterlassen ebenso Spuren in ästhetischen Produktionsweisen. 

Mein Vortrag widmet sich dem Öl als einer „fiktionalen Ressource“ (Macdonald) in der Sowjetunion seit Maksim Gorkij. Hier soll zum einen der Frage nachgegangen werden, welche Formen von „Petro-Imagination“ Literatur, Künste und Film ausbilden und inwiefern gerade die ästhetische Aneignung und Prozessierung der exzentrischen Materialität des Öls kulturelle Narrative stimulieren kann.

Zum anderen möchte sich der Vortrag dem von Stephanie LeMenager aufgebrachten Begriff der „Petromodernity“ widmen, welcher als eine Art „Superstruktur“ jene modernen kulturellen Paradigmen und Selbstentwürfe beschreibt, die erst in den billigen Energiesystemen der fossilen Brennstoffmoderne möglich geworden sind. 

Anhand von Beispielen aus Texten und visueller Kultur (Il’f / Petrov, Koroleva benzokolonki, Tri pljus dva u.a.) soll dabei erörtert werden, inwiefern dieser aus westlichen Theoriemodellen entwickelte Begriff auf die sowjetische Kultur beziehbar ist und welche Modi von Petromoderne hier zu beobachten sind.